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Salmonellen im Schweinefleisch - nach wie vor ein Risiko
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
warnt!
12. Februar 2005 - Im Januar des
Jahres 2005 sind in Deutschland gehäuft menschliche Erkrankungen durch einen
seltenen Salmonellentyp aufgetreten. Die bisherigen Erkenntnisse deuten
darauf hin, dass rohes Schweinefleisch die Ursache ist. Die Salmonellose ist
eine Infektionserkrankung des Menschen, die zu Durchfall, Erbrechen,
Kopfschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit führt aber auch noch ernstere
Probleme nach sich ziehen kann.
Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erneut, auf
den Verzehr von rohem Schweinefleisch zu verzichten.
Salmonellen sind weit
verbreitet, sie gehören zur Gruppe der Zoonoseerreger. Zoonosen sind
Infektionen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Daher sind
meist Lebensmittel betroffen, die von Tieren stammen. So wurde auch bei den
jetzt festgestellten Infektionen mit Salmonella Bovismorbificans, einem
seltenen Typ, rohes Schweinefleisch als Ursache ermittelt. Bei den Tieren
selber, d.h. den Schweinen oder auch bei Geflügel, bleibt die Infektion in
aller Regel unentdeckt, da die Tiere keine Krankheitserscheinungen zeigen.
Im Jahr 2004 wurden insgesamt
etwa 60.000 Fälle erfasst. Damit ist die Salmonellose in Deutschland die
häufigste durch Lebensmittel übertragene bakterielle Infektionskrankheit.
Viele Erkrankungen werden nicht erkannt; die Dunkelziffer ist hoch. Jeder
Verbraucher kann beim Umgang mit Lebensmitteln zu seiner eigenen Sicherheit
beitragen.
Folgende
Maßnahmen sollen besonders beachtet werden:
-
auf den Verzehr von rohem
Fleisch, insbesondere rohem Schweinefleisch, wie Mett, Hackepeter, frische
Bratwurst und Hack verzichten,
-
Fleisch, Hackfleisch und
frische Bratwurst beim Kochen, Braten und Grillen völlig durcherhitzen,
-
Lebensmittel, die gekühlt
werden müssen, nicht zu lange ausserhalb des Kühlschranks lagern,
-
Kühlschranktemperatur auf
unter 7 °C einstellen, bei empfindlichen Lebensmitteln (z. B. rohes
Fleisch, Fischprodukte) unter 4 °C,
-
empfindliche Lebensmittel
möglichst bald verzehren,
-
beim Umgang mit Lebensmitteln
auf die persönliche Hygiene achten,
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rohe Lebensmittel tierischer
Herkunft und Rohkost (Salat etc.) getrennt von verzehrsfertigen Produkten
halten,
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Küchengeräte (Messer,
Schneidbretter, Arbeitsplatte etc.) nach jedem Arbeitsgang gründlich
reinigen und auf allgemeine Sauberkeit in der Küche achten
(Reinigungsmittel, Reinigungsgeräte, Spültücher, Küchentücher, Spülbürsten
etc.).
Rucola kann sehr viel
Nitrat enthalten
BfR rät zu maßvollem Verzehr
2. Februar 2005 - Nach neuen Untersuchungsergebnissen der
Überwachungsbehörden der Bundesländer zählt Rucola, ähnlich wie Spinat oder
Blattsalate, zu denjenigen Gemüsesorten, in denen regelmäßig hohe
Nitratgehalte nachweisbar sind. So wurden bei rund der Hälfte von knapp 350
Rucola-Proben Nitratgehalte von über 5000 mg/kg gemessen. Abhängig von
individuellen Verzehrsgewohnheiten können damit unter Umständen erhebliche
Mengen an Nitrat aufgenommen und die von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) abgeleitete duldbare tägliche Aufnahmemenge deutlich überschritten
werden. Das BfR rät deshalb zum maßvollen Verzehr von Rucola und anderem
nitratreichen Gemüse.
Die von der WHO abgeleitete duldbare tägliche Aufnahmemenge (Acceptable
Daily Intake, ADI) für Nitrat liegt bei 3,7 Milligramm je Kilogramm
Körpergewicht (mg/kg KG). Aus einer gelegentlichen Überschreitung des ADI
resultiert laut BfR kein nennenswertes gesundheitliches Risiko. „Bis zur
vollständigen wissenschaftlichen Klärung der gesundheitlichen Relevanz einer
erhöhten Nitrataufnahme sollten Verbraucher aus Vorsorgegründen jedoch
darauf achten, dass sie mit ihren Mahlzeiten nicht übermäßig viele
Lebensmittel konsumieren, von denen bekannt ist, dass sie sehr große Mengen
Nitrat enthalten können“, empfiehlt Dr. Eberhard Schmidt, Experte für
Kontaminanten in Lebensmitteln am BfR.
Nitrate sind Stickstoffverbindungen, die natürlicherweise im Boden
vorkommen, aber auch als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. Pflanzen
benötigen Nitrat zum Aufbau von Eiweiß. Nitrat darf außerdem als Zusatzstoff
in bestimmten Lebensmitteln wie Fleischwaren, Käse- und Fischprodukten
verwendet werden.
Pflanzen haben unterschiedliche Nitratspeicherkapazitäten: Blattsalate,
Spinat, Grün- und Weißkohl, Rettich und Radieschen oder Rote Rüben können
deutliche Nitratmengen enthalten. Auch genetische, geografische und
jahreszeitliche Faktoren beeinflussen den Nitratgehalt der Pflanzen. So
können sich die Mittelwerte der Nitrat-Konzentrationen verschiedener
Gemüsesorten natürlicherweise um Faktoren zwischen zwei und 60 voneinander
unterscheiden. Auch die Einzelwerte innerhalb einer Gemüsesorte können sehr
stark schwanken und um das fünf- bis 70-fache auseinander liegen. Außer dem
Nitratgehalt des Bodens spielt insbesondere der Erntezeitpunkt eine
bedeutende Rolle: Hohe Lichtintensität fördert den Nitratabbau in der
Pflanze und auch hohe Temperaturen reduzieren die Nitratwerte. Trockenheit
dagegen begünstigt die Anreicherung in der Pflanze. Zusätzlich wirken sich
Düngemitteleinsatz und Anbauweise auf den Nitratgehalt aus. Die
Nitratgehalte von Gemüse, das unter Glas angebaut wird, liegen für
gewöhnlich über denen von Freilandpflanzen. Rucola scheint Nitrat in
besonderem Maße anzureichern.
Nitrat selbst ist wenig giftig. Aus Nitrat kann aber im Körper Nitrit
gebildet werden, aus dem wiederum N-Nitrosoverbindungen, so genannte
Nitrosamine, entstehen können. Viele von ihnen haben sich im Tierversuch als
krebserregend erwiesen. Deshalb sollte so wenig Nitrat wie möglich
aufgenommen werden. Aktuell wird die durchschnittliche tägliche
Nitrataufnahme in Deutschland auf 80 bis 100 mg geschätzt. Davon werden gut
60 Prozent über Gemüse und weitere 26 Prozent über das Trinkwasser
aufgenommen.
Die Untersuchungen in den Bundesländern zeigten, dass rund die Hälfte der
Rucola-Proben einen Nitratgehalt von über 5000 mg/kg aufwiesen. Nun gehört
Rucola zu den Salatsorten, die üblicherweise in kleinen Mengen verzehrt
werden. Individuelle Verzehrsgewohnheiten können aber in Verbindung mit
regionalen Besonderheiten - hohen Nitratgehalten im Trinkwasser etwa - in
Einzelfällen zu einer längerfristigen hohen Nitrataufnahme führen. Bei der
Abschätzung des Risikos einer überhöhten Nitrataufnahme durch den Verzehr
von Rucola hat das BfR deshalb verschiedene Verzehrs-Szenarien betrachtet
und dabei auch zusätzliche Nitrat-Quellen berücksichtigt. Das Ergebnis:
Personen, die viele Lebensmittel mit hohem Nitratgehalt verzehren, nehmen
täglich bis zu 300 mg Nitrat auf und überschreiten damit die duldbare
tägliche Aufnahmemenge deutlich.
Wegen der gesundheitlichen Bedenken gegenüber Nitrat, insbesondere seiner
Rolle bei der Entstehung von Nitrosaminen und der noch offenen Fragen
bezüglich ihrer krebserregenden Eigenschaften beim Menschen, sollte die
Nitratzufuhr nach Ansicht des BfR so weit wie möglich reduziert werden.
Ostsee
zunehmend vergiftet
WWF warnt vor Fischgenuss aus dem
Baltischen Meer
Bremen (25. Jan 2005) - Die Umweltorganisation WWF
http://www.wwf.de/ warnt in einer
veröffentlichten Studie vor der starken Verschmutzung der Ostsee durch
Chemikalien. Nach dem aktuellen Report: "Clean Baltic within REACH"
reicherten sich zwischen den späten 1980er und den frühen 90er Jahren
jährlich durchschnittlich 31 Kilogramm Polychlorierte Biphenyle (PCB) in den
Ostseefischen an. Die schwedischen Gesundheitsbehörden empfehlen Frauen im
gebärfähigen Alter deshalb, ihren Konsum von Ostseehering und Ostseelachs
einzuschränken.
In Fischen wie beispielsweise Lachs und Kabeljau wurden auch neuere
Substanzen wie Bromierte Flammschutzmittel, darunter Polybromierte
Diphenylether (PBDE), Weichmacher und Duftstoffe in bedenklichen Mengen
gefunden. Einzelne Fischproben aus der Ostsee enthielten bis zu 50 Mal mehr
des Flammschutzmittels PBDE als Vergleichsproben aus dem Atlantik. Die
Umweltschutzorganisation hat außerdem festgestellt, dass einige Fischarten
wie beispielsweise Meerforelle, Kabeljau und Steinbutt unter
Fortpflanzungsstörungen leiden, die mit Chemikalien in Verbindung gebracht
werden. Schwer belastet sind aber auch Seehunde und Seeadler: Die Mengen an
Polybromierten Biphenylen und PBDE sind in diesen Tieren der Ostsee zwei-
bis fünfmal höher als in der Nordsee oder Arktis.
Andere schädliche Chemikalien, wie beispielsweise Perfluorierte
Verbindungen, die als krebserregend und schädlich für die Fortpflanzung
eingeschätzt werden, wurden laut der Studie kürzlich in Ostseeschweinswalen,
Fischen und Vögeln gefunden. Wegen des langsamen Wasseraustauschs mit der
Nordsee und der teilweise extrem niedrigen Temperaturen der Ostsee werden
die Chemikalien hier noch langsamer abgebaut als in anderen Meeren. Die
ohnehin geringe Artenvielfalt der Ostsee wird durch die Chemikalien noch
zusätzlich gefährdet.
Die Umweltorganisation ruft nach einer grundlegenden Reform der
EU-Chemikaliengesetzgebung, die derzeit unter dem Begriff REACH in
Diskussion steht.
Keine
akute Gesundheitsgefahr durch Dioxin-belastete Eier
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Notwendigkeit,
vom Verzehr von Freilandeiern abzuraten.
Berlin (17.01.2005) -
Seit Jahresbeginn gilt für Eier von Hühnern
aus Freilandhaltung der gleiche Dioxin-Höchstgehalt, der schon vorher für
Eier aus Käfighaltung gegolten hat. Danach dürfen ab sofort nicht mehr als
drei Nanogramm Dioxine in einem Kilogramm bzw. drei Pikogramm in einem Gramm
Eifett enthalten sein (ein Ei enthält rund 10 % Fett). Dieser Höchstgehalt
wird offenbar zum Teil überschritten. Eine akute Gesundheitsgefährdung
stellt der gelegentliche Verzehr dieser Eier nach Ansicht des BfR nicht dar.
Im Vergleich zu anderen tierischen Lebensmitteln wie Milch, Fleisch oder
Fisch erhöhen die Eier die tägliche Gesamtaufnahme an Dioxin nur
unwesentlich. Da die Dioxinaufnahme des Menschen aber noch immer über dem
von der Weltgesundheitsorganisation angestrebten gesundheitlichen
Vorsorgewert liegt, hält das BfR weiterhin alle Maßnahmen für erforderlich,
die die Gesamtbelastung effektiv minimieren können.
Dioxine kommen überall vor. Sie entstehen bei Verbrennungsprozessen und sind
auch heute noch als Altlasten aus früherer industrieller Produktion im Boden
von Bedeutung. Die Gruppe der Dioxine umfasst eine Vielzahl von Substanzen
mit sehr unterschiedlichem gesundheitsschädigenden Potential. Einige können
Krebs auslösen. Weltweit wird deshalb eine Minimierung der Belastung
angestrebt. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert die Aufnahmemenge, die
aus Vorsorgegründen täglich nicht überschritten werden sollte, mit 1
Pikogramm Dioxinäquivalenten pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (1 pg/kg KG
und Tag), die duldbare tägliche Aufnahmemenge mit 1 bis 4 pg/kg KG und Tag.
Dioxinäquivalente umfassen nicht nur die Polychlorierten Dibenzodioxine,
sondern auch die Dibenzofurane und Polychlorierten Biphenyle, die fast immer
gemeinsam vorkommen.
Untersuchungen von Muttermilch und Lebensmitteln zeigen, dass sich die
Dioxinbelastung in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert hat. Noch
immer aber liegt die durchschnittliche, tägliche Aufnahmemenge bei fast 2 pg/kg
KG und Tag und damit nach wie vor über dem von der WHO angestrebten
Vorsorgewert.
Hühner aus Freilandhaltung können Dioxine beim Picken aus dem Boden
aufnehmen. Dioxine finden sich dann unter anderem in den Eiern und hier,
wegen ihrer Fettlöslichkeit, bevorzugt im Eifett. Die Dioxinbelastung der
Eier hängt offenbar stark von der regionalen Belastung des Bodens ab.
Die meisten Eier von freilaufenden
Hühnern unterscheiden sich in ihren Dioxingehalten nur unwesentlich von
denen aus Käfighaltung. Es gibt aber auch Eier, in denen deutlich
höhere Belastungen mit Dioxinen nachgewiesen wurden. Spitzenwerte lagen bei
20 und mehr ng pro kg Eifett.
Bereits im April 2004 hat das BfR zum Risiko durch Dioxine in Eiern Stellung
genommen. Damals hatte das Institut von einer Verlängerung der
Ausnahmeregelung für Eier aus Freilandhaltung abgeraten. Zwar sah das BfR im
gelegentlichen Verzehr von Eiern, die mehr als 3 ng Dioxin pro kg Eifett
enthalten und damit den zulässigen Höchstgehalt überschreiten, kein
gesundheitliches Risiko für den Verbraucher. Gleichwohl hat das Institut
darauf hingewiesen, dass es die einheitliche Anwendung der Höchstmenge auf
alle Eier für erforderlich hält, um die Gesamtbelastung durch Dioxine weiter
zu minimieren.
Aus Sicht des BfR gibt es aktuell
keine Notwendigkeit, auf den Verzehr von Eiern aus Freilandhaltung zu
verzichten, da sie in der Regel nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an
der Dioxinbelastung des Menschen über Nahrungsmittel haben. Eine
Ausnahme stellen besonders hoch belastete Eier dar. Diese sollten nicht
verzehrt werden. Das gilt auch für Selbstversorger.
Welche Eier sind ihnen lieber?
Von
Hühner in natürlicher, artgerechter Umgebung oder aus tierquälerischer
Massenhaltung?
Vorsicht beim Umgang
mit Scoubidou-Bändern
Flüchtige organische Lösemittel, kritische Weichmacher und andere
problematische Stoffe nachgewiesen
Berlin
(28.09.2004) - Sie sind leuchtend bunt, sie sind geschmeidig und eignen sich
hervorragend zum Basteln von Schlüsselanhängern, Halsbändern und anderen
kleinen Geschenken. Klar, dass Scoubidou-Bänder bei Kindern und Jugendlichen
sehr beliebt sind. Untersuchungen der Überwachungsbehörden der Bundesländer
haben jedoch gezeigt, dass Scoubidou-Bänder flüchtige organische Lösemittel
und hohe Konzentrationen von Cadmium sowie Phthalate als Weichmacher in
erheblichen Mengen enthalten. Sie sind deshalb nach Auffassung des
Bundesinstituts für Risikobewertung als Spielzeug für Kleinkinder nicht
geeignet.
Scoubidou-Bänder sind Kunststoffschnüre aus Polyvinylchlorid (PVC). Um
diesen Kunststoff weich und geschmeidig zu machen, werden ihm als
Weichmacher Phthalate in hoher Konzentration zugesetzt. Das können in
einzelnen Bändern bis zu 45% (450 g je kg Kunststoff) sein. Bei über drei
Viertel der untersuchten Bänder wurden Weichmacher wie Diethylhexylphthalat
(DEHP) oder Dibutylphthalat (DBP) in hohen Anteilen von über 30% verwendet.
Von diesen Weichmachern ist bekannt, dass sie bei höherer Dosierung
reproduktionstoxisch wirken, also die Fortpflanzung und Entwicklung
beeinträchtigen können.
Außerdem wurden flüchtige organische Verbindungen wie Toluol, Phenol, 2- und
1-Butanol sowie verschiedene zinnorganische Verbindungen in den Bändern
nachgewiesen. Die hellgrünen, violetten, gelben, rosa- und orangefarbenen
Teile einiger Proben enthielten außerdem hohe Anteile an Cadmium.
Solange kritische Stoffe im Kunststoff verbleiben, stellen sie kein Risiko
für die Gesundheit dar. Entscheidend ist vielmehr, welche Mengen beim
Basteln und Spielen sowie beim vorhersehbaren Fehlgebrauch aus den Bändern
entweichen und mit dem Körper in Kontakt kommen. Etwa dann, wenn Kleinkinder
die daraus gefertigten Schlüsselanhänger, Hals- und Armbänder in den Mund
nehmen und darauf kauen.
Weil derzeit keine brauchbaren Messergebnisse zur Freisetzung von
Weichmachern, Lösemitteln und Cadmium aus Scoubidou-Bändern vorliegen, hat
das BfR unter Annahme der ungünstigsten (Worst-case) Bedingungen die
mögliche Aufnahme der Stoffe über die Haut bzw. über die Atemwege
abgeschätzt.
Was nach dieser Schätzung an kritischen Stoffen aus den untersuchten Bändern
entweicht und aufgenommen wird, stellt nach Auffassung des BfR keine
erkennbare gesundheitliche Gefährdung für Kinder und Jugendliche dar. Aus
Gründen der Vorsorge hält das BfR aber Produkte, die durch Lösemittelgeruch
auffallen, nicht als Spielzeug für Kinder geeignet.
Kleinkinder, bei denen vorhersehbar ist, dass sie Spielzeug und andere
Gegenstände in den Mund nehmen, sollten nicht mit Scoubidou-Bändern spielen
oder daraus angefertigte Schmuckstücke tragen.
Scoubidou-Bänder sind nach Einschätzung des BfR Spielzeug. Grundsätzlich ist
das Institut der Auffassung, dass in Spielzeug gemäß der „Guten
Herstellerpraxis“ der Gehalt an gesundheitlich bedenklichen Substanzen so
weit wie möglich zu minimieren ist. Gleiches gilt für Restgehalte flüchtiger
Stoffe. In Kunststoffen für Spielzeug sollten grundsätzlich gesundheitlich
weniger bedenkliche Weichmacher eingesetzt werden.
Text: BM für Risikobewertung
Foto: © BM für Risikobewertung
Trinkwasser wird zum
Medikamenten-Cocktail
Forscher finden von Hormonen bis Antibiotika alle Präparate
Berlin (27. Aug 2004) - Die Reste von Millionen von Medikamenten landen im
Abwasser. Eine neue Studie in einem Klärwerk in Deutschland hat erneut
bestätigt: Herkömmliche Methoden sind nicht geeignet, die zahlreichen
Arzneimittel aus dem Wasser zu bringen. Vielfach gelangen daher synthetische
Hormone wie Estradiol aus Anti-Baby-Pillen wieder in Flüsse, Bäche, Seen,
ins Grund- und leider auch ins Trinkwasser, berichtet der Spiegel
http://www.spiegel.de/.
Die Analysen von Forschern im Grundwasser erinnern an eine kleine
Hausapotheke: Blutfettsenker (Clofibrinsäure), Schmerzmittel, Antirheumatika
(Ibuprofen, Diclofenac) und verschiedene Analgetika, aber auch
Röntgenkontrastmittel. "Diese Stoffe finden sich überall in Deutschland",
erklärt Markus Lehmann, Geoökologe bei der Landesanstalt für Umweltschutz
Baden-Württemberg. Die Statistik gibt dem Forscher allerdings Recht, denn
jährlich wandern etwa 100 Tonnen Schmerzmittel über den Umweg Mensch durch
die Toiletten wieder in die Natur. Zusätzlich dazu werden immer noch
tonnenweise unverbrauchte Arzneimittel über die Toiletten entsorgt.
Nach einem zufälligen Fund der Substanzen in den 90-er Jahren durch Berliner
Forscher wurden in Deutschland zum einen die Analyseverfahren verbessert,
zum anderen die Gewässer genauer untersucht. Interessantes Detail am Rande:
Die eben ausgeschiedenen Stoffe kommen nach Wochen oder Monaten wieder
zurück. Die Berliner Experten konnten etwa 16 Verbindungen im Trinkwasser
und mehr als 100 im Abwasser entdecken. Zu den Hauptverursachern der
Verunreinigungen zählen aber nach Angaben des Lebensmittelchemikers Thomas
Heberer von der Technischen Universität Berlin nicht Krankenhäuser, sondern
zu 80 Prozent private Haushalte.
"Es ist noch völlig ungeklärt, ob und in welchem Maße diese Stoffe ein
Risiko für Mensch und Natur darstellen", meint Bodo Weigert vom
Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Beweise für eine humantoxikologische Wirkung
gebe es nicht, so der Forscher. Umgekehrt liegt eine Studie der Bochumer
Ruhr-Universität vor, wonach ein Zusammenhang zwischen der seit Jahren
sinkenden Spermienzahl bei Männern und einer steigenden Rate an
Hodenkrebs-Erkrankungen und Genitalfehlbildungen durch Östrogene im
Trinkwasser und in Lebensmitteln vermutet wird. "Aus der heutigen
wissenschaftlichen Sicht bestehen keine Risiken für die menschliche
Gesundheit. Es wäre jedoch unseriös, eine völlige Unbedenklichkeit zu
attestieren", räumt Heberer ein. "Allein in Deutschland sind rund 3.000
verschiedene Arzneimittelwirkstoffe auf dem Markt, von denen einzelne in
Mengen bis zu mehreren hundert Tonnen pro Jahr verabreicht werden", erklärt
Lehmann einen weiteren Unsicherheitsfaktor. Zusätzlich gibt der Forscher zu
bedenken, sei nichts über die Langzeitwirkung niedriger Konzentrationen
bekannt.
Neue Verfahren der Gas- und Flüssigchromatographie gekoppelt mit der
Massenspektrometrie können nach Angaben von Heberer auch kleinste Dosen von
Chemikalien entdecken. Darüber hinaus sind neue Techniken in Erprobung, mit
denen auch herkömmliche Kläranlagen organische Spurenstoffe beseitigen
können. Die Kosten sind aber vielfach zu hoch.
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